(Bild: Hans Richard Schwenninger)
Weibchen der Knautien-Sandbiene (Wildbiene des Jahres 2017) sammelt Pollen auf Wiesen-Witwenblume

(Bild: Hans Richard Schwenninger)

Markenzeichen: Rote Hosen

Die Knautien-Sandbiene ist Wildbiene des Jahres 2017

20.07.2017

"Mit der Knautien-Sandbiene haben wir eine Wildbiene ausgewählt, die als gut erkenntliche Botschafterin dafür wirbt, unsere Landschaften bienenfreundlicher zu machen", so Martin Klatt vom Kuratorium "Wildbiene des Jahres". Die Knautien-Sandbiene (Andrena hattorfiana) fällt durch ihre Rotfärbung auf dem Hinterleib besonders auf. Dazu kommen die leuchtend purpurroten Pollenkörner, welche die Weibchen ausschließlich an der Wiesen-Witwenblume (Knautia arvensis) sammeln.

Nach der Zaunrüben-Sandbiene, der Wildbiene des Jahres 2015, wurde erneut eine Nahrungsspezialistin ausgewählt. Sie gehören zu den 134 Bienenarten Deutschlands (23 % der Arten), welche auf den Blütenpollen ganz bestimmter Pflanzenarten angewiesen sind, um ihre Nachkommen aufzuziehen.
Der Pollen dient als Eiweißquelle für die Bienenlarven. Fehlen Blüten der Wiesen-Witwenblume, kann die Knautien-Sandbiene nicht auf andere Pflanzenarten ausweichen und reagiert deshalb besonders empfindlich auf ein Verschwinden ihrer Nahrungspflanzen.


Die Knautien-Sandbiene verdeutlicht stellvertretend für alle Wildbienen, wie problematisch heute die Lebensumstände für Insekten sind, die auf bunt blühende Wildkräuter angewiesen sind. Durch fortschreitenden Umbruch der Wiesen in Ackerland, die starke Düngung und häufige Mahd der noch verbliebenen Wiesen, oftmals ohne Abräumen des Mähguts, ist die Wiesen-Knautie zurückgedrängt worden. So ist die Initiative zur Vorstellung der Knautien-Sandbiene zugleich ein dringender Appell, für ein reiches Blütenangebot aus heimischen Pflanzen zu sorgen.
Das funktioniert an Wegrändern, auf Wiesen aber auch in Gärten und Parks, wo beispielsweise Blühinseln beim Mähen ausgespart werden können, damit die Wiesen-Witwenblume ungestört abblühen kann.


Mit dem Faltblatt zur Knautien-Sandbiene ruft das Kuratorium "Wildbiene des Jahres" dazu auf, nach diesem Tier Ausschau zu halten und Beobachtungen zu melden, um ein genaueres Bild von der Verbreitung dieser Art zu bekommen. Weitere Informationen zur Knautien-Sandbiene finden sich unter www.wildbienen-kataster.de.


Hintergrundinformation
Seit 2013 sucht das Kuratorium „Wildbiene des Jahres“ jährlich eine besonders interessante Wildbienenart heraus, um an ihrem Beispiel die spannende Welt der Wildbienen bekannter zu machen. Das Kuratorium arbeitet im Rahmen des Arbeitskreises Wildbienen-Kataster, der innerhalb des Entomologischen Vereins Stuttgart aktiv ist. Dem Kuratorium gehören an:

  • Prof. Manfred Ayasse (Universität Ulm)
  • Dipl.-Biol. Martin Klatt (NABU Baden-Württemberg)
  • Prof. em. Anselm Kratochwil (Universität Osnabrück)
  • Dr. Lars Krogmann (Staatl. Museum für Naturkunde, Stuttgart)
  • Dipl.-Biol. Volker Mauss (Institut für Wespenkunde, Michelfeld)
  • Dipl.-Biol. H. R. Schwenninger (Sprecher des Arbeitskreises Wildbienen-Kataster)


Im Rahmen der Kampagne zur Wildbiene des Jahres wird dargestellt, dass diese für den Menschen ungeheuer nützlichen Tiere heute in ihrem Bestand bedroht sind. Zugleich soll die Wildbiene
des Jahres dazu ermuntern, „raus“ zu gehen und das Tier in seinem Lebensraum aufzusuchen. Damit wirkt die Initiative auch im Sinne einer Wissenschaft für alle (citizen science) und soll mit dazu beitragen, das aktuelle Vorkommen der Wildbiene des Jahres aufzuklären.