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Schlaglicht: Klima, Städte & Wildbienen

Warum Klimaanpassung und Biodiversitätsschutz in Städten so wichtig ist

Bild: Heike Homann

Städte und Gärten können für Wildbienen vielseitige Lebensräume bieten, selbst angesichts des Klimawandels. Wir zeigen Strategien zur Förderung der Lebensräume für Wildbienen in der Stadt auf, die „ganz nebenbei“ auch große Vorteile im Bezug auf Klimaanpassungen von Städten haben können.

Wenn von Wildtieren die Rede ist, denken wir fast automatisch an ländlichere Gebiete. Vor allem in Bezug auf Wildbienen kommen Bilder von reich blühenden, summenden Wiesen auf, die sich im sanften Wind wiegen oder üppige Bauerngärten mit Rosenspalieren. Leider entspricht dieses Bild kaum noch der Realität. Die meisten Wiesen sind nährstoffreiche Hochleistungsflächen, die von wenigen Grasarten dominiert werden. Wilde Kräuter oder Blüten sucht man auf modernen Äckern mit Monokulturen meist vergeblich. Mehr Vielfalt dagegen können Wildbienen in Gärten und damit in der Nähe von Wohnorten finden.

Wichtige Zufluchtsorte für Wildbienen

Städte und städtische Gärten können wichtige Zufluchtsorte für Wildbienen bieten. Ein vielfältiges Angebot an blühenden Pflanzen in Gärten, Grünflächen und sogar auf Dächern bietet den Bienen reichlich Gelegenheit zur Nahrungssuche. Darüber hinaus sind städtische Gebiete häufig vom "Wärmeinseleffekt" betroffen, d. h. in Städten ist es tendenziell wärmer als in den umliegenden ländlichen Gebieten. Dies kann zu einer früheren Blüte und längeren Blütezeiten in städtischen Gärten führen, die den Bienen mehr Ressourcen bieten. Für den Menschen bedeutet der Wärmeinseleffekt allerdings vor allem, dass die heißen Sommertage in Städten noch heißer werden. Je nach Art der Bebauung kann es in Ballungszentren bis zu 10 °C wärmer werden als in der umliegenden Umgebung. Das liegt vor allem an der durch Gebäude und Straßen vergrößerten versiegelten Oberfläche, die durch die Sonne erhitzt wird, und die guten Wärmespeicherkapazitäten von Beton und Asphalt. Abhilfe können Pflanzen schaffen, die einerseits Flächen beschatten und andererseits durch die Transpiration wie Klimaanlagen die Luft kühlen. Forscherinnen und Forscher haben herausgefunden, dass große Bäume in Städten die Kühlleistung von 10 Klimaanlagen erbringen können.

Wie kann ich Wildbienen helfen?

Nicht alle Pflanzen bieten auch Ressourcen für Wildbienen. Als Faustregel gilt: Je heimischer die Pflanzenauswahl und naturbelassener der Garten oder die Grünfläche, desto besser. Problematisch sind Sorten mit gefüllten Blüten, da sie oft keinen Nektar und Pollen mehr bieten oder durch die zusätzlichen Blütenblätter Bienen und andere Bestäuber nicht mehr an Pollen und Nektar gelangen können. Ebenso zu vermeiden sind nicht heimische Arten, die sich potenziell invasiv ausbreiten können. Ein klassisches Beispiel dieser sogenannten Neophyten stellt die als „Bienenfreund“ bekannte Phacelia dar. Mit ihren langen Blütezeiten und reichhaltigem Nektar- und Pollenangebot wird sie diesem Ruf auch zumindest teilweise gerecht. Allerdings beginnt sich die Art durch die zuletzt milden Winter  unkontrolliert auszubreiten, was schwer abzuschätzende Folgen für heimische Ökosysteme nach sich ziehen kann. Es gibt jedoch viele nachhaltige Möglichkeiten, um Wildbienen zu fördern, beispielsweise:

  1. Einheimische und vielfältige Flora aus der Region pflanzen: Die Auswahl einheimischer, regionaler Pflanzenarten ist wichtig, da sie sich gemeinsam mit den lokalen Bestäubern entwickelt haben und an die regionalen Bedingungen angepasst sind. Die Anpflanzung einer Vielzahl von Blumen, die das ganze Jahr über zu unterschiedlichen Zeiten blühen, sorgt für ein beständiges Nahrungsangebot für Bienen. Zu empfehlen sind beispielsweise: Efeu (Hedera helix), Glockenblumen (Campanula), echter Salbei (Salvia officinalis) oder Him- und Brombeeren (Rubus). Wer mehr über Wildpflanzen in heimischen Gärten erfahren will, sollte unbedingt bei den Bundesprogramm-Projekten „Tausend Gärten – Tausend Arten“ oder Insektenfreude vorbeischauen.
      
  2. Hochbeete gegen die Betonwüste: Vor allem in Städten ist es oft schwer einen Ort für Pflanzen zu finden, der nicht asphaltiert ist. Abhilfe schaffen Hochbeete. Die praktischen, mobilen Kästen aus Holz oder Stein können praktisch überall (natürlich nach Absprache) hingestellt werden und so graue Betonwüsten etwas grüner und bunter gestalten. Ein schönes Projekt ist „Essbare Stadt“, u.a. in Düsseldorf, im Zuge dessen 50 Hochbeete in der ganzen Stadt verteilt werden, zum Beispiel auch in unserem Innenhof des VDI-Gebäudes (siehe Bild). Allerdings dürfen sie im öffentlichen Raum nicht ohne Genehmigung errichtet werden.
      
  3. Nistplätze schaffen: Wildbienen benötigen geeignete Nistplätze. Bauen Sie zum Beispiel Nisthilfen, sogenannte Bienenhotels, oder richten Sie ungestörte Bodenstellen oder kleine Haufen aus Zweigen und Ästen in Ihrem Garten ein. Verschiedene Bienenarten haben unterschiedliche Nistvorlieben, so dass das Angebot verschiedener Optionen die Eignung des Lebensraums erhöht.
       
  4. Vermeiden Sie chemische Pflanzenschutzmittel: Pestizide, wie zum Beispiel Neonicotinoide, können für Nützlinge wie Bienen schädlich sein. Der Verzicht auf ihren Einsatz in Gärten trägt zum Schutz von Wild- und Nutzbienenpopulationen bei.
       
  5. Stellen Sie Wasserquellen zur Verfügung: Wie jedes andere Lebewesen brauchen auch Bienen Wasser. Indem Sie flache Wasserschalen oder kleine Vogeltränken im Garten aufstellen, können Sie sicherstellen, dass Bienen Zugang zu sauberem Wasser zum Trinken und Kühlen haben.

Hintergrund:
Mit dem Verbundprojekt BienABest soll die Ökosystemleistung "Bestäubung durch Wildbienen" gesichert und bundesweit wieder gesteigert werden. Dazu werden Verfahren zur Etablierung von Wildbienenhabitaten in der Agrarlandschaft entwickelt und standardisiert. Zudem werden Methoden zur bestandsschonenden Erfassung von Wildbienen entwickelt und standardisiert, die im Anschluss an das Projekt als Basis für ein systematisches Monitoring genutzt werden können. Diese methodischen Grundlagen können auch für die Erfassung der Auswirkungen des Klimawandels auf die Wildbienenvielfalt verwendet werden.

Das Projekt „BienABest“ wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt  durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) gefördert. Weiterhin wird das Projekt vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-WürttembergBASF SE und Bayer AG finanziell unterstützt.

Informationen über BienABest: www.bienabest.de und www.facebook.com/bienabest  

Ihre Ansprechpartnerin im VDI:
Dr. Ljuba Woppowa
Verbundkoordinatorin und Projektleiterin Standardisierungsprojekt
VDI-Gesellschaft Technologies of Life Sciences (VDI-TLS)
Telefon: +49 211 6214-314
Telefax: +49 211 6214-97314
E-Mail: tls@vdi.de

 

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